¡ Viva España! 2021

Reisen in Zeiten des großen C

Es gibt auf diesem Erdball vermutlich nur eine ganz, ganz kleine Anzahl von Menschen, deren Lebenspläne nicht durch Corona verworfen oder zumindest verschoben wurden. Ich denke da tatsächlich an Ureinwohner in vollkommen abgekapselten Bereichen der Erde.

Abkapseln ist aber tatsächlich etwas, was wir in den letzten Monaten oder besser gesagt, im letzten Jahr, getan haben. Ich will hier auch nicht über Corona lamentieren. Wir sind geimpft, mit reichlich FFP2-Masken ausgestattet und backen erst einmal „kleine Brötchen“ und wollen im September nach Spanien. Allein beim Schreiben habe ich schon wackelige Finger, denn Pläne machen und die auch noch in die Welt hinauszuschreiben……ist das nicht schon …..vogelwild?

Unsere großen Pläne, Kanada, USA, Südamerika……kommen mir fast so fern vor, wie mein Traum, die Erde mal aus dem All zu sehen. Darf man wieder träumen? Und ob! Wenn keine Träume mehr da sind? Was dann? Auf! Los!
¡Viva España!

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Auf das richtige Mindsetting kommt es an!

17.09.2021

Heute erreichen wir das Mittelmeer. Endlich Stand! Peter hatte während der Fahrt mal nach unserem geliebten, einsamen Stellplatz am Serignan Plage geschaut. Gemäß Park4Night gibt es diesen nicht mehr. Es ist vermutlich ziemlich viel passiert, seit wir das letzte mal dort waren. Nämlich Corona und die Entdeckung, dass Wohnmobile quasi mobile Quarantänestationen sind. Geboomt hatten diese schon in den Jahren zuvor, aber wer alles in 2020 Wohnmobile gekauft hat, teilweise ohne vorher so ein Ding mal zu mieten um zu schauen, ob das überhaupt etwas für einen ist!

Auf unserer Deutschlandtour 2020 hatten wir ja schon festgestellt, dass die Campingetikette – ja, die gibt es – bei vielen einfach nicht bekannt ist. Und wenn ich mir vorstelle, dass all die Neucamper und die klassischen Egomanen, die es überall gibt, in die Welt hinausschwärmen…..so wundert es mich nicht, dass viele Bereiche gesperrt und reglementiert sind. Sind die Urlaubsorte vor unserer Haustür doch schon mit den Tagesausflüglern nicht mehr klargekommen, was passiert an den Stellen, wo aus vielen Ländern viele Menschen anreisen? Wir sind viele! Ob Neu- oder Altcamper, jeder wollte doch einfach mal raus aus den eigenen 4 Wänden!

Und so stehen wir hier. Auf einem ganz klassischen Campingplatz in Reih & Glied. Hätte Peter heute Morgen nicht angerufen und einen Platz reserviert, hätten wir heute Mittag keinen mehr bekommen. „Wir sind komplett ausgebucht“ gab ein Schild schon direkt am Eingang eine klare Botschaft an all die, die spontan angereist sind. 

Wir sind also auf unserem Platz angekommen, mit Funk haben wir uns verständigt und unser Riese steht brav in der Reihe. Als eingespieltes Team holten wir sofort eine Bodenmatte heraus, denn unser Grund hier ist komplett sandig. Expeditionsfahrzeug hin- oder her, den Sand habe ich lieber außerhalb des Fahrzeugs! Schnell waren Tisch und Stühle draußen und ich fletzte mich erst einmal in einen Stuhl. Angekommen. Jetzt kann unser Urlaub beginnen. Unser erstes Ziel in Spanien ist keine 200 Kilometer mehr von uns entfernt! Und da saß ich dann. Blickte nach links, da war der Frenchi, blickte nach rechts, da war eine Hecke. Und das war es dann. „Wo sind gerade Freiheit & Abenteuer?“, dachte ich mir. „Maximal 2 Nächte, mehr nicht“, schoß es mir durch den Kopf. Peter hatte die Anmeldung gemacht und hatte dort auch blaue Armbändchen für uns bekommen. Geht es noch schlimmer? – Ja geht es. Der Strand ist städtisch, also keine Hunde erlaubt. Mein Herz sank tief. Hatte Phoebe doch so tapfer die Fahrten ertragen und ich hatte schon die Bilder einer am Strand freudig rasenden Phoebe vor Augen. Und jetzt das. Wenn wir an den Strand gehen, müssen wir Phoebe im Frenchi einsperren. Gut, dass die Temperaturen das überhaupt ermöglichen. Also. Phoebe im Frenchi gelassen, alle Fenster auf, so dass die stetige Brise hier schön durchwehen konnte und auf zum Strand.

Was soll ich sagen? Es gibt keine Fotos davon. Mich hat das erst mal erschreckt. Es erinnerte mich an einen klassischen Mallorcaurlaub mit vielen Menschen an den Stränden. Meist ältere Herrschaften, die offensichtlich schon länger dort vor sich hingrillten. Wir liefen einige Abschnitte entlang, bis wir weiter hinten einen Hund am Strand entdeckten. Hatte der Typ keine Ahnung, oder war dem alles wurscht? Wir liefen weiter und entdeckten weitere Hunde unter den Liegen. Wir sprachen wen an und der meinte, hier seien Hunde nicht ausdrücklich verboten. Also sind wir wieder zurück, haben eine Picknickdecke und Phoebe geholt und sind an die selbe Stelle zurück. Eine im Sand rasende Phoebe, die naß und sandig über unsere Picknickdecke trabte,  um sich dann hinter Peter in den Schatten zu legen. Ich legte mich daneben. Gar nicht so schlecht. Es ist nicht zu heiß und nicht zu kalt. Im Kühlschrank haben wir noch feine Steaks und Wein. Neben uns sitzen zwei Französische Damen Mitte, Ende 60 und schwatzen freudig. Nach einiger Zeit kommen noch zwei Herren dazu uns es wird sich weiter nett und locker unterhalten. Wie kann man das verurteilen? Die Welt ist doch gerade hier&jetzt und an dieser Stelle völlig in Ordnung. Vielleicht sitzen so viele am Strand und schauen auf das Meer hinaus, weil es einfach schön ist und entpannend? Wir liegen gerade mittendrin und auch uns geht es gut. Meine Gedanken schweiften ab zum Legzira Arc in Marokko. Kein Vergleich. Aber was bringt mir dieser Gedanke? Gar nichts. In kann mich darüber ärgern, dass so viele Menschen dort sind, dass wir einem Klischee entsprechen. Das erhellt meinen Tag nicht sonderlich. Was aber ist, wenn ich mich einfach daran erfreue, dass wir hier sein können? Dass wir nirgends anders sein müssen, dass die Menschen freundlich und nett sind, einfach den Moment geniessen und uns die Sonne auf den Bauch scheint, den wir dann auch zügig mit einem Steak und Wein füllen werden? Wie immer im Leben kommt es doch beim Reisen auf das richtige Mindsetting an.

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Wann ist es das letzte mal?

15.09.21

Wir sind jetzt also unterwegs und rollen gerade durch Frankreich mit dem aktuellen Ziel Beaune. An Beaune erinnere ich mich sehr gerne und wie oft habe ich schon gesagt, daß ich dort noch einmal hin möchte!

Das wird jetzt doch ein klein wenig schwermütig. Aber das ist ein persönlicher Blog. Mein, unser persönliches Reisetagebuch. Es ist gedacht für Familie und Freunde und dann können solche Töne auch mal anklingen. Es ist das Leben.

Tja. Wann waren wir Beaune? Sehr gute Freunde von uns haben dort in der Nähe ein Haus, in der Mitte im Nirgendwo, mit Pool und einem absolut phänomenalen Ausblick. Sie hatten uns damals gefragt, ob wir nicht auch mal mitkommen und dort mit ihnen Urlaub verbringen möchten. Was mussten sie auf uns – speziell mich – einreden! Nix, die Franzosen und ihre Sprache! In der Schule fand ich die schon grauenhaft. Nein, nein! Ich müsste mich niemals mit denen unterhalten müssen, ganz sicher! Was eine Lüge! Es stellte sich dann heraus, dass ich die einzige war, die zumindest etwas Französisch sprechen konnte. Und das war in Beaune! Wir hatten dort eine sehr schöne Besichtigung eines Weinkellers inkl. Degustation gebucht und es kam wie es kommen musste: Unsere Freunde und Peter schauten nur ratlos, als man uns ansprach und nur ich konnte etwas erwidern. Und das war es dann: Er hatte seine Ansprechpartnerin gefunden und gefühlt hatte er dann reichlich mit mir kommuniziert. Oder es zumidest versucht! Wie oft haben wir dann in den nachfolgenden Urlauben daran gedacht und gelacht! Fast jedes mal, wenn wir wieder nach Frankreich reisten, rief ich: Aber dieses mal will ich wieder nach Beaune! Und nie wurde was daraus. Zu sehr hatte uns dann die Gemütlichkeit eingefangen und wir ließen es uns dort gutgehen. Kein echter Antrieb war mehr da, der uns die immerhin eine Stunde Anfahrt antreten ließ. Dann eben im nächsten Jahr, war der tröstliche Gedanke. 

Die zur Verfügung stehende Zeit ist aber endlich und das ganz besondere daran ist, du hast keine Ahnung, wie voll oder leer dein Zeittank ist. Oder der deines Freundes. Das mussten wir lernen in diesem Jahr. Ohne Vorwarnung. Einfach so. Und so wie es aussieht, wird es diese Frankreichurlaube nicht mehr geben. Nie wieder mit diesen Menschen und vermutlich auch nie wieder an diesem Ort. Einfach so. 

Solche Gedanken kommen mir, hier uns jetzt auf unserer Reise, während wir an bekannten Schildern und Ortsnamen vorbeikommen. Wie oft hatte ich schon den Gedanken „wenn ich gewußte hätte, dass es das letzte mal war…“. Oft hätte es nicht wirklich einen Unterschied gemacht, aber manches mal eben doch!

Und so fahren wir nach Beaune und ich denke, dass ist dann das letzte mal.

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