über Frankreich ans Nordkapp Reiseberichte

Schwupps – und weg waren wir

Das Wichtigste vorab: Aktuell sind wir heile auf dem Campingplatz in Tromsø angekommen und trinken einen Gin-Tonic darauf, dass unser heutiges Abenteuer nur Geld gekostet hat.

Aber jetzt mal von Anfang an: Wir starteten unseren Tag im Grøtefjord am Strand. Es hatte in der Nacht geschneeregnet (mal wieder) und wir nutzen die niederschlagsfreie Zeit für eine Spaziergang am Strand. Danach sollte es die paar Kilometer rüber nach Tromsø gehen, über eine Straße mit reichlich bergauf und bergab.

Wir fahren beide unseren Truck und von uns beiden bin ich sicherlich die, die keiner vor sich haben möchte. Ich fahre ….na…sagen wir mal….sehr vorsichtig. Peter ist da schwungvoller unterwegs. Und so hatten wir dann wohl auch etwas zuviel Schwung auf der Straße, als uns ein PKW entgegenkam. Ich tippte noch auf meinem iPad rum, als irgendwie alles sehr schräg wurde. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auch die Perspektive zur Straße veränderte sich und wir steckten mit der Nase im Schnee. Also – schwupps – weg waren wir von der Straße, zumindest mit der Beifahrerseite. Peter stemmte die Tür auf und krabbelte raus. Phoebe schaute mich mit großen Augen an und ich krabbelte dann mal über sie – auch nach draußen. Meine Tür war nicht aufzukriegen.

Die Leute aus dem Fahrzeug welches uns entgegen kam, kamen und fragten, ob was passiert sei und ob sie uns helfen können. Das war sehr nett, aber da hätte es schon mehr gebraucht als einen PKW. Letztendlich war es auch nicht deren Schuld. Allein die Motorbremse sorgte auf der glatten Fahrbahn dafür, dass wir ins rutschen kamen. Wenn 12 Tonnen auf dem Weg sind, sind sie auf dem Weg. Da helfen auch keine Spikes mehr. Das Problem war auch, dass die Straße ein wenig Schräglage nach rechts hatte. Fazit: wir steckten fest.

Als alter Wüstenfuchs holte Peter die Schaufel raus und versuchte uns nach vorne hin frei zu bekommen. Was lernen wir? Besser, wir legen uns noch eine weitere Schaufel zu, denn ich konnte nur rumstehen und zusehen. Und so besah ich mir das ganze Desaster mal an. Nach vorn hatten wir doch reichlich Schnee aufgeschoben, nach hinten hin hatten wir dafür eine „schöne“ Spur hinterlassen. Im Sand von Marokko hatte es uns geholfen, rückwärts über die schon eingefahrene Spur aus dem Sand wieder herauszukommen. Könnte das hier auch funktionieren? Dazu kommt, dass wir auf der Hinterachse deutlich mehr Gewicht und somit wohl auch mehr Grip haben. Dagegen spricht, dass wir die abschüssige Straße auch wieder rauf müssen. Versuch macht klug. Alle Sperren rein und langsam Gas. Ergebnis, no chance. Kacke! Ach ja – nach vorne ging auch nix.

In der Zwischenzeit hat uns jemand die Rufnummer einer Abschleppfirma gegeben, bei der wir dann in der Warteschleife hingen. Der Fahrer eine Räumfahrzeugs ließ uns noch wissen, dass der Graben für uns in Fahrtrichtung nur noch tiefer wird und wir ggf. umkippen würden. Es wurde immer besser. Bei der Abschleppfirme/dem Bergedienst gerieten wir an jemanden, der nicht soooo dolle Englisch sprach und das erklären, WO wir denn eigentlich sind, entpuppte sich als schwierig. Hier hat uns dann ein netter vorbeifahrender Norweger geholfen, der dann mal übersetzt hat. Vielen Dank an dieser Stelle an den unbekannten Herren! 👍 Es kam auch schnell die Frage nach unserer Versicherung. Haben wir keine. Vielleicht mag Peter irgendwann mal was dazu schreiben, wenn er diesen aufregenden Tag verarbeitet hat. Diesen Spaß dürfen wir aus unserer Reisekasse komplett bezahlen. Damit man uns schon mal eine Idee geben kann, was das dann kosten wird, haben wir ein paar Daten von Frenchi – wie z.B. 12t Gewicht – und ein paar Fotos an die Firma übermittelt. Die wollten dann anhand der Fotos den Aufwand schätzen, mal rechnen und sich melden.

Tinder

Peter hatte mal einen Artikel über ein Paar gelesen, die am Ende der Welt auch irgendwo feststeckten und Hilfe brauchten. Hier hat sich die Frau Tinder runtergeladen und darüber gesucht. Das habe ich dann auch gemacht, aber irgendwie bin ich zu blöd dafür. Habe bis jetzt noch nicht rausgefunden ob und wie man denn mit den Menschen texten kann. Als richtiges Luder habe ich natürlich nach Männern und Frauen gesucht und auch das Alter ist mir dabei völlig wurscht. Habe es dann aber auch aufgegeben.

In der Zwischenzeit hat sich die Firma gemeldet, eine Zahl genannt, Peter hat geschluckt und dann eben sein GO dafür gegeben. Jetzt hieß es dann Mal warten. Es verging eine ganze Weile und plötzlich war ein PKW bei uns. Wie sich herausstellte war das ein Journalist von den Lokalnachrichten. Über eine lokale Facebookgruppe hat er von jemanden bei Tinder erfahren der/die/das Hilfe benötigt. Wir konnten das erst gar nicht glauben. Der machte doch sicher nur einen Spaß! Wir werden sehen. Jedenfalls hat er einige Fotos gemacht (auch von unserem jetzt leicht strubbeligen Innenraum), von uns und Frenchi und war auch während der Bergung dabei.

Bergung

Die Bergung war recht unspektakulär – und in gefühlt 5 Minuten vorbei. Das Bergefahrzeug hat hinter den Hinterrädern eine Konstruktion, mit der es quasi sich am Boden festkrallen kann. Dann kam das Bergeseil und so wurde Frenchi dann beim rausfahren unterstützt. Ruck zuck standen wir wieder auf der Straße und wir fuhren eine kleine Ausweichbucht an, in der Peter dem Frenchi alle vier Schneeketten angezogen hatte.

Letztendlich kamen wir doch heile an unserem Ziel an. Etwas klappert bei Frenchi, aber das schauen wir uns mal morgen an und hoffen, dass es nur ein kleines Blech ist.
Hauptsache, es ist niemanden was passiert, weder 2- noch 4-Beinern. Ich denke, wir werden heute Nacht gaaaanz tief und fest schlafen.
Und wer weiß – vielleicht sind wir morgen schon VIPs, über die man was in der Zeitung lesen kann 👍

Ach ja. Während wir da saßen und warteten, haben viele Norweger angehalten und gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Sehr, sehr nett – und sehr sehr tröstlich ist auch diese Aussage von mehreren der Hilfsbereiten:

irgendwann erwischt das jeden hier…

2 Kommentare zu “Schwupps – und weg waren wir

  1. Wow, zum Glück ist Euch nix passiert! 🍀
    Erholt Euch!!

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  2. Hilfe über Tinder …. hmmm ….. was hast Du denn da reingeschrieben: Du darfst mich abschleppen, aber erst den Frenchi? Und dann hast Du wahrscheinlich Bilder vom Fahrzeiug und nicht von Dir hochgeladen – ich lach mich gerade schlapp.

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