Marokko 2019 Reiseberichte

Fazit Marokko – und im Hier & Jetzt

Irgendwie drängt es mich, ein Fazit aus unserer Marokko-Reise zu ziehen. Für wen und warum? – Keine Ahnung. Vielleicht für mich, vielleicht aber auch, weil ich das so nicht erwartet hätte und ein Stück die Welt verbessern möchte. Zumindest in der Geisteshaltung einem Land und seinen Menschen gegenüber….

Ich muss gestehen, ich hatte Schiss. Marokko? Wir zwei und die 2,7Kg-Kampf-Maus? Ach du Kacke neee! Eigentlich wollten wir doch nur a bisserl in den Süden, Spanien, Italien, irgendwas in der Art, um mal eine Reise mit dem Frenchi zu machen. Und ich blöde Nuss sage noch: „ach wenn wir so weit in Spaniens Süden sind, können wir doch mal n Hupfer nach Marokko machen“. Und bei Peter muss man aufpassen, so eine Idee kann dann schon mal auswachsen.

Wir haben uns dokumententechnisch echt auf unser Ableben vorbereitet. Marokko, Islam, ganz andere Kultur! Herrje wie aufregend. Und dann waren wir irgendwann mal da, sind in Assilah abends nach einem Restaurantbesuch im Dunklen (!!!!!!) nach Hause! Ich glaube, ich hatte da noch mein Pfefferspray dabei. Als wir nach unserer Fahrt durchs Paradise-Valley zum ersten mal am gefühlten Arsch der Welt standen…..aaahhh….wie krass waren wir da nur!?!

Und dann die Dinge, die wir erlebt haben! Die Natur, die Menschen! Ich kann nur sagen, beides hat mein Herz, meine Seele berührt. Und vielleicht sogar mehr als das! In den letzten Tagen sind bei mir allein beim Gedanken, Marokko zu verlassen, Tränen gekullert. Vielleicht, weil ich/wir eher mit unangenehmen Erlebnissen gerechnet hatten, aber nicht mit dem, was wirklich war. Bei so einer Erwartungshaltung kann man natürlich gut positiv überrascht werden.

Seit einer Weile schaue ich auf den blinkenden Cursor und suche nach Worten, um meine Gefühle und Gedanken zu beschreiben, aber ich finde sie nicht. Ich kann nur sagen, wer mal die Chance hat eine Zeit in Marokko zu verbringen, der sollte sie wirklich nutzen. Du kannst hier wieder daran erinnert werden, was wichtig ist. Was du wirklich zum Leben brauchst…vielleicht fällt mir noch mal eine bessere Formulierung ein….

Wir sind jetzt seit ein paar Tagen in Spanien, d.h. wieder in „unserer“ Zivilisation. Du kommst in einen riesigen Supermarkt, an dem zig weitere Läden angegliedert sind. American Nails, Schmuck, Kleidung, Schuhe…alles im gigantischen Überfluss. Wenn man sich die Werbung im Fernsehen anschaut, dann geht es doch nur darum, jemanden etwas zu verkaufen, der eh schon alles hat. Und dann habe ich das Bild von dem kleinen zerzausten Mädchen im hohen Atlas im Kopf, die echt kaum was hat, wo es wirklich um das tägliche Essen auf dem Tisch geht und American Nails kein Thema sind. Ich wünsche mir schon, dass mein gegrounded-sein lange anhält oder zumindest abrufbar bleibt.

Hier & jetzt

Ich nehme mal an, das kennen viele: Lebe im hier und jetzt! Mei, was habe ich das versucht! Und geklappt hat es kaum. Aber jetzt beim Reisen, da hat es sich entwickelt. Ich lebe wirklich im heute und maximal noch im morgen. Es geht beim Reisen darum, wo bin ich? Wo will ich hin? Welche Route fahre ich? Wo wollen wir kommende Nacht stehen? Was wollen wir essen? Oder bleiben wir noch? Was wollen wir heute?

Wie schon gesagt, seit ein paar Tagen sind wir in Spanien – und habe ich vor wenigen Tagen noch geheult beim Gedanken an den Abschied von Marokko, so bin ich doch jetzt emotional in Spanien und trauere Marokko nicht hinterher. Ich habe das mal Reisedemenz genannt. Alles was ein paar Tage her ist, fühlt sich so unendlich lang her an. Aber vielleicht ist das eben das hier&jetzt-Prinzip?

Ich habe eine schöne, schmucke Kiste mit dem Titel Marokko in meiner Erinnerung. Diese Kiste kann ich hervorholen und schwupps – viele schöne Bilder kommen da dann wieder hoch!

Aber jetzt samma an der Küste bei Valencia und uns geht es gut. Hier, und jetzt, wo wir halt grad sind!

Für die Nörgler:

Ja, Marokko ist oft schmutzig. Kaum eine Stelle an der Küste, an der nicht Müll rumliegt. Auch sonst findet sich immer wieder Müll. Wir sind in abgelegenen Gegenden herumgefahren und durch Dörfer mit 6 Häuschen. Hier gibt es keine Abfall-Entsorgung, die jeden 2. Montag den Biomüll abholt und jeden 2. Dienstag den Restmüll. Hier wir der Müll bestenfalls verbrannt oder sonst einfach den nächsten Hang runtergeworfen. Toll finde ich das weiß-Gott-nicht. Aber was sollen die denn machen?

Dafür haben wir in vielen Orten deutliche Bemühungen gesehen, ihr Städtchen hübsch zu machen, da werden dann viele Pflanzen gesetzt, damit es immer schöner wird. Und Müll fliegt hier in Spanien ebenfalls reichlich rum. Ok – der Müll ist sicher teurer – denn Red Bull-Dosen und schicke blaue Weinflaschen hatten wir in Marokko nicht gesehen…

maʿa s-salamah

1 Kommentar zu “Fazit Marokko – und im Hier & Jetzt

  1. Manfried Doll

    Willkommen wieder zuhause und vielen Dank dafür, dass wir dabei sein durften. Eine Reise war dann gut, wenn man sich danach wieder auf das zuhause freuen kann. Das „Mia san mia-Gefühl“ ist, richtig verstanden und gelebt, unschlagbar. Ich freue mich schon auf eure nächste Reise (wohin?). Viele Grüße Manfried

    Liken

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