Marokko 2019 Reiseberichte Reisevorbereitungen

Tafedna, 3 goldene Haare und wie sehr ich altere

Noch in der Nähe von Essaouira geniessen wir auf dem Campingplatz unser freies Areal. Um bitte auch ganz dem Bild der Chaoten zu entsprechen, breiten wir uns auch reichlich aus und haben offensichtlich Waschtag. Morgen soll es nämlich weitergehen – nach Tafedna. Ist auch nicht weit bis dahin- nur knapp 60 Kilometer. Vorher geht es noch in einen Supermarkt zum Einkaufen.

Flodders haben Waschtag

Einkaufen / vorab in Deutschland noch gut bevorraten…

Heute würde ich nicht noch einmal den Fehler machen, und den Frenchi mit Lebensmitteln, Duschgel etc. vollzustopfen und das Zeugs 1000e Kilometer durch die Weltgeschichte zu schaukeln, weil es in Marokko nur schlimme Sachen oder gar nix gibt.

Es gibt hier in den Supermärkten wirklich so ziemlich alles, was der feine Europäer mag. Da brauchen wir wirklich keine Abstriche zu machen. Wenn man ein Fan von Tütensuppen, Schweinefleisch und Kräuterbutter ist, diese Sachen sollte man bevorraten, aber alles andere….

Frischkäse, Marmeladen, Nudeln, Reis, Gewürze, Nutella, Chipse…was weiß ich – gibt es hier. Ach ja. Lakritz nicht. Aber das ist scheinbar mein persönliches Problem. Diesbezüglich sitze ich ja schon seit 20 Jahre auf dem Trockenen – in Bayern. Hier gibt es Lakritzschnecken von Haribo – nichts für ungut – aber …..neee…echt nicht mehr…

Fahrt nach Tafedna

Da denkt man, ach die knapp über 60km sind ja n Klacks…..

Aber die feinen Autobahnen liegen hinter uns. Die Straßen werden enger und die Spuren schmaler. Das ist für mich schon eine Herausforderung, ganz speziell bei den entgegenkommenden Bussen. Die fahren wiea Wuidsau – und wenn die nicht so schnell wären – ich bin mir sicher, die haben 3 goldene Haare und noch einen Dreizack dabei. So manches mal wurde uns warm und einmal habe ich dann doch den äußeren Randbereich gegrüßt. 😞

Die Straße dann in den Ort war total eng und sehr steil. Am Ziel musste ich dann doch erst mal mich für ein paar Minuten lang machen. Diese Straßen lassen mich echt altern…–

Tafedna

Bietet auf den ersten Blick….ein Mini-Restaurant und ein Bar für die Surfer. Am Strand gibt es Kühe und viele wilde Hunde. Die meisten in einem echt schlechten Zustand.

Am Anfang standen wir an der Mülltonne, was viele Esel, Hunde und Fliegen anzog und wir uns genötigt sahen, umzuziehen. Es war brutal windig und auch im Frenchi fand sich dann eine dünne Staubschicht. Gut, dass ich vorher noch die Betten frisch gemacht hatte….

Hier haben wir dann unsere erste Nacht „frei“ in Marokko gestanden. Geschlafen haben wir an sich gut. Wenn das Hundegebell es denn zuließ. Die Rudel scheinen nachts ihre Themen abzuarbeiten, um dann morgens in der Sonne zu liegen und zu schlafen. 

Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang sind wir dann weiter nach Imsouane. Ganz offensichtlich verlassen wir immer mehr die klassischen Straßen – sind aber nachher wieder auf einer schmalen Asphaltstraße gelandet und auch die goldhaarigen Busfahrer waren wieder mit 100 Sachen unterwegs. Heute ist Peter gefahren….aber frau kann auch auf dem Beifahrersitz altern……

Imsouane

Angestrebt hatten wir eigentlich einen Campingplatz. Allerdings sind wir an einem Hochplateau vorbei – in die Bremsen und rückwärts wieder zurück, um darauf zu fahren. Geiler Ausblick! Ein Italiener, der recht passabel Englisch spricht, steht schon dort. Und seine zwei Hunde haben sich spontan in Phoebe verliebt. Ganz besonders der dünne Toto ist bis über beide großen Ohren verliebt.

Es ist diesig über dem Meer und phasenweise schweben die Wolken zwischen den Wohnmobilen durch – und geben hin und wieder einen phänomenalen Blick auf das Dorf frei. Ein paar Meter weiter stehen ein paar Franzosen – ganz offensichtlich Gleitschirmflieger.

Wir schmeißen das Mopped an und düsen zu dritt in den Ort, schauen den Fischern im Hafen zu, kaufen ein wenig bei einem kleinen Händler im Ort ein, trinken einen Tee und schauen den jungen Marokkanischen Herren beim Fußballkicken zu. Danach ging es wieder zurück zum Frenchi. Hier sind in der Zwischenzeit zig Kinder und Männer am Platz aufgetaucht und Peter wird ausgiebigst zu Fußball befragt. Hahahaha – ausgerechnet Peter! Der weiß auch mal grad, dass üblicherweise 11 Männekes pro Mannschaft auf dem Spielfeld sind. Manuel Neuer, Thomas Müller, Robben sind nur ein paar Namen, die die Männer kannten. Es wurde „gesprochen“ in Marokkanisch, Englisch und Französisch und gaaanz wichtig: Händen und Füßen 🙂

Danach gab jeder der Herren Peter die Hand und verabschiedete sich freundlich. Ich kann nicht aus meiner Deutschen Haut raus. Als Peter dort stand, umzingelt von den Männern, habe ich schon meine Öhrchen aufgestellt und mir die Situation angeschaut. Wie ist die Situation einzuschätzen? Sind die echt einfach nur nett und neugierig auf Infos aus erster Hand? Anscheinend ja, denn wir sind immer noch hier und uns hat keiner aufgefressen. Komisch, dass mich das stutzig macht. Oder ich kaum glauben kann. Wir sprechen viel in den letzten Tagen über die Dinge, die wir sehen. Lauschen in uns hinein und vergleichen mit unserem Leben und Lebensstandard und entdecken eben auch Dinge, die die Marokkaner uns voraus haben. Oder wir verloren haben. Und das sind Dinge, die eben nicht zu kaufen sind.

Bitte nicht falsch verstehen. Wir laufen hier nicht mit rosa Brille und verklärtem Blick herum. Es ist nur wirklich faszinierend zu sehen, dass eben die Gemeinschaft und das Miteinander mehr in den Vordergrund rücken, wenn das Materielle diesen nicht darstellt.

So. Das muss für heute reichen 🙂

11 Kommentare zu “Tafedna, 3 goldene Haare und wie sehr ich altere

  1. Tolle Bilder… ich denk grad, wenn da so ein „ganz normales Wohnmobil“ auch da steht, könnten wir mit unserem auch so eine Reise angehen… ocer braucht man da zwangsweise wirklich die Größenordnung, die Ihr habt?

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  2. Hi Claudi! Nein, so ein Bulle wie unserer ist hier bisher nicht nötig. Es ist extrem viel „Weißware“ unterwegs. Wir wollen im Süden ab in das Land, auch etwas Offroad….da bin ich selber noch gespannt. Was wir aber sehr schätzen ist die Tatsache, dass wir wirklich autark sind und nicht alle Augenblicke Nacht strom, Dusche etc schauen müssen….

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  3. claudi5555

    Danke für das Feedback, Gudrun! Für drei Tage mindestens wären wir auch autark, wenn man es mit dem Duschen nicht so genau nimmt, sogar für länger, da wir ja Solar auf dem Dach haben und bislang ist bei uns, wenn überhaupt, der Strom ausgegangen, und das nur im Winter bei viel Schneefall und wenig Sonne… alles andere hätte länger gereicht. Danke für das Feedback, ich habe ein neues Ziel 😉 mal sehen, ob wir das auch irgendwann mal realisieren können…
    Liebe Grüße und noch gaaanz viel Spass!
    Claudia

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  4. Hallo Ihr Lieben,
    eure Berichte sind einfach toll.
    Welchen Fisch habt ihr denn zubereitet und wo sind die Bilder? 😬

    Liebe Grüße
    Klaus & Renate

    Gefällt 2 Personen

  5. Juergen Schwarz

    Ich mag die Art wie Du das schreibst, und freue mich immer wieder was von Eurer Tour zu lesen

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  6. Hallo Jürgen! Es freut mich sehr, das zu lesen. Ich versuche halt immer, wirklich unsere Gedanken und Empfindungen mit einzubringen. Zumindest ein Grundrauschen davon, denn sonst würden die Berichte 4x so lang werden 😃
    Herzliche Grüße
    Gudrun

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  7. Hallo Klaus,

    wir hatten uns zwei Rotbrassen gekauft, weil uns die für den Grill empfohlen wurden. Der Verkäufer hat sie uns ausgenommen und dann in der Mitte bis auf den Rücken durchgeschnitten und aufgeklappt. Also auch den Kopf! So lagen die Fische platt vor mir mit dem rechten Auge rechts und dem linken Auge halt links 🙂

    Einen Fisch habe ich wieder zusammengeklappt, gesalzen und gepfeffert und einen Rosmarinzweig reingelegt. Den anderen Fisch habe ich offen gelassen. Dann auf unsere Gasgrill (Cadac). Ging ganz gut und war auch sehr lecker. Aber Brassen haben halt eine Menge „freier“ Gräten…

    Heute stehen wir frei an der Küste und kamen gestern mit einem Fischer ins Gespräch. Er meinte, wenn er heute was Schönes fängt, grillt er uns heutte Mittag seinen Fang. Schaun eir mal…

    Lieben Gruß
    Peter

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  8. Boah, so langsam werd ich richtig neidisch😩.
    Ich glaube, ich werde jetzt erstmal zum Trost ein T-Bone beefen🙄.

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  9. Auch nicht schlecht. 🙂 Wir haben zwar den Brotbackautomaten mit (läuft gerade), aber als Gudrun auch den Thermomix einpacken wollte, habe ich gestreikt. Gut, dafür durfte ich dann auch den Beefer nicht mitnehmen…

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  10. Beefer? Das könnte euch sogefallen 🙂

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  11. Ein Wohnmobil ohne Beefer ist wie eine Weißwurst ohne Biergarten😌

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