Reisevorbereitungen Technik

Werkstattbesuch bei Toni Maurer – Frenchi wird fit gemacht

Die Kabine vom Frenchi wurde von Ormocar gebaut und hatte von Anfang an einen Wärmetauscher erhalten, der die Wasserkreisläufe des Motors und der Kabine wärmetechnisch verbinden kann. Das hat oder hätte den Vorteil, dass der Aufbau durch die Motorabwärme geheizt werden kann und anders herum auch der Motor mit der Kabinenheizung vorgewärmt wird, wenn man mal im Schnee übernachtet. Hätte, weil MAN eine Veränderung des Kühlkreislaufs am Motor nicht gerne sieht und ggf. Garantieansprüche verweigern kann. So wurde damals der Wärmetauscher zwar eingebaut, jedoch nicht am Motor angeschlossen. Das ist jedoch etwas, das wir noch vor unserer ersten Reise nachholen lassen wollten. Schließlich ist eh die Werksgarantie seit drei Jahren abgelaufen ist.

Gudrun kam schon bei der Abholung aus Frankreich die Lenkung etwas „komisch“ vor. Er hatte die Tendenz sich aufzuschaukeln, sprich ein ruhiges Geradeausfahren erforderte schon etwas Gefühl. Und da Frenchi dann schon sowieso in den Händen von Fachleuten wäre, bot es sich an, auch einen Blick auf die Lenkung werfen zu lassen. Das sollte sich noch als ein nicht sooo kleines Unterfangen erweisen…….

Die heimische MAN-Werkstatt „nebenan“ hatte bei der telefonischen Terminvereinbarung ein wenig Probleme zu verstehen, was wir eigentlich wollten. „Wie? Den Kühlkreislauf des Motors mit dem Wärmetauscher der Kabinenheizung verbinden?“. Man merkte schnell, dass die auf solche Sonderfahrzeuge nicht wirklich ausgerichtet sind. Also stand schnell fest, dass wir zu Toni Maurer nach Türkheim fahren. Sind auch nur 130km von daheim aus und die Firma ist für alle Arten von LKW-Sondermobile bekannt. Dort hieß es dann gleich „Ja, sprecht mal mit dem Werkstattmeister, der hat gerade einen ähnlichen Fall auf der Grube stehen“. So kam es dann, dass wir einen Termin für den 21./22. Januar 2019 ausgemacht haben.

Also erschien ich am 21. Januar morgens mit Frenchi in Türkheim und der Meister fuhr unseren MAN Probe, um unsere Bedenken bezüglich der Lenkung zu klären. „Hmm, der lenkt nicht wirklich gut zurück auf Geradeausfahrt und die Lenkung ist ein wenig schwergängig“ war das Fazit. Zurück in der Werkstatt fuhren wir den Dicken (im Vergleich zu den sonstigen LKWs eher der „Schlanke“) auf die Grube.

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Die Antriebswelle rechts „schwitzt“ ein wenig

Die Antriebswelle vorne rechts „schwitzt“ ein wenig. Kein Grund zur Besorgnis, jedoch im nächsten Jahr „im Auge behalten“, war der Rat. Doch links ist die Radaufhängung ganz schön nass… „Das kommt von der Antriebswelle, da sollten wir nachsehen, wenn Ihr damit weiter weg wollt“. Ja, wollen wir, also nachsehen.

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Das ist kein Schwitzen mehr, die Seite ist „nass“

Was dann kam, war weniger schön. Je mehr der Mechaniker unseren Alex unseren Frenchi zerlegte, um so verwunderter wurde er. Nach Entfernen der Spurstange ließen sich die Radaufhängungen beidseitig nur schwer bewegen. „Die sollten sich eigentlich nach einem Schubs von alleine bis zum Lenkanschlag bewegen und nicht so schwergängig sein“. Das Spiel war auf beiden Seiten völlig falsch eingestellt. Auf der Antriebswelle links waren Laufbuchsen nicht komplett in Position. Die Riefen in den Laufbuchsen waren dann auch der Grund, warum die Antriebswelle am Simmerring Öl verlor.

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Auch das Kardangelenk war recht schwergängig, hat aber bei modernen MANs keine Schmiernippel mehr. Da die Welle aber noch OK war, ging sie dann noch zum Überholen des Kardangelenks in einen Spezialbetrieb.

Lange Rede, kurzer Sinn: Was mit einem „Kannst Du Dir mal die Lenkung ansehen“ begann, endete nach zwei Arbeitstagen mit einem 2.500 Euro Abschnitt auf der Rechnung. Durch die anderen Arbeiten sind aus den veranschlagten zwei Tagen Aufenthalt dann doch anderthalb Wochen (mit Zwangspause wegen Überholung der Antriebswelle) geworden. Aber es macht trotzdem Spaß, mit den Leuten von Toni Maurer zu arbeiten. Alex hat mir alles erklärt, mir viele Tipps gegeben und ich wurde sogar entsprechend meinen Fähigkeiten eingespannt:

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„Schnapp Dir mal den Spachtel und das Schleifpapier und dann holst Du mal die alte Dichtung von der Radnabe und dem Deckel runter“. Mein Gott, geht das Zeugs schwer runter! Nach einer Ewigkeit kam Alex und meinte „So und jetzt zeige ich Dir, wie man das in einer Profi-Werkstatt mit Stabschleifer und Topfbürste in 5 Minuten macht“. Tja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre 🙂

Ferner wurden dann auch die eigentlichen Themen abgearbeitet.

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Der Kühlkreislauf des Motors wurde an den Wärmetauscher der Kabine angeschlossen. Damit wir mit der Kabinenheizung auch den Motor vorwärmen können, wurde noch eine Hilfspumpe in den Kühlkreislauf eingebaut. Auch ausgeschaltet gestattet diese einen ungehinderten Durchfluss des Kühlwassers. Wenn der Motor des LKW aber nicht läuft, können wir mit der Hilfspumpe das durch den Wärmetauscher erwärmte Kühlwasser durch den Motor pumpen. Die Pumpe hat einen Schalter am Armaturenbrett im Fahrerhaus bekommen. Parallel habe wir eine 24V-Funkfernbedienung parallel zum Schalter angeklemmt. So können wir die Hilfspumpe auch aus der Kabine starten.

Irgendwann stand ich in der Grube und betrachtete mir alles von unten und wunderte mich über ein rotes, recht massives Kabel ins „Nichts“:

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Das morsche Isolierband hing schon halb runter. Na ja, da hat der Vorbesitzer wohl mal ein Kabel tot gelegt und war zu faul, es aus dem Kabelbaum zu entfernen, dachte ich mir. Sicherheitshalber mal die Spannung gemessen – wow, 12V gegen Masse! Was ist das denn? Das Kabel kam aus dem Kasten der Starterbatterien. Also Batterien raus und Kabel gesucht. Tatsächlich war an einer der beiden 12V Batterien ein Abgriff angeschlossen, zum Glück über eine (125A!) Sicherung. Hinter der Sicherung ging nur ein Kabel ab. Genau – mein Kabel ins „Nichts“. Keine Ahnung, wofür man seinerzeit mal meinte, 12V zu benötigen. Aber einerseits ist es keine gute Idee, einfach eine der beiden Starterbatterien damit zu entladen und dadurch für einen ungleichen Ladezustand zu sorgen und andererseits ist das Abzwicken der Plus-Leitung in Rahmennähe und lieblose Isolieren mit Isolierklebeband schon grob fahrlässig! Man hätte wenigstens die Sicherung entfernen können… Jedenfalls habe ich das abgezwickte Kabel und die Sicherung entfernt.

Jetzt weiß ich auch, warum der LKW zwei Batteriehauptschalter (Knebel) hat: Einen für den 24V-Kreis und einen für den 12V-Abgriff. Aber wenn ich schon mal dabei bin, kann ich gleich den Hauptschalter für den ehemaligen 12-Kreis anders belegen. Nun kann ich mit einem Schaltern die Starterbatterien abschalten und mit dem anderen Schalter die Batteriebank im Aufbau von den Starterbatterien trennen. Dazu haben wir zwar auch direkt bei der Batteriebank einen Hauptschalter, aber der trennt auch gleich die ganze Kabine ab.

In der Werkstattwoche war auch das Thema „Ersatzteile“ auch immer Gesprächsstoff zwischen Alex und mir. Da unser MAN hinten einen Luftfederung hat, schwingt immer die Angst mit, was passiert, wenn uns mal ein Federbalg in der Pampa undicht wird. Na gut, dann nehmen wir halt einen Federbalg als Reserve mit. Damit wir fernab einer Werkstatt uns nicht noch damit beschäftigen müssen, den neuen Federbalg auf den unteren Halter zu bringen (das ist schon in der Werkstatt mit der richtigen Hydraulikpresse ein kleines Abenteuer), haben wir den unteren Halter gleich dazu gekauft und uns einen kompletten Federbalg vorbereitet, denn wir nun bei Bedarf „nur noch“ austauschen müssen.

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Fazit: Auch wenn uns die anderthalb Wochen Aufenthalt in der Werkstatt bei Toni Maurer ein kleines Vermögen gekostet haben, so habe ich eine Menge über unseren „Dicken“ gelernt. Ich weiß nun, wo ich die Ölstände der verschiedenen Getriebe, Achsen etc. prüfe und ggf. nachfülle. Den Schrauberkurs habe ich so ganz nebenbei absolviert. Die Ersatzteilkiste ist nun prall gefüllt und wir können mit dem beruhigenden Gefühl auf die erste Reise gehen, dass Frenchi auf Herz und Nieren gecheckt wurde.

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